Jakobuswege er-fahren – Aufbrechen auf Jakobus Radpilgerwegen Wer aufbricht auf einen Pilgerweg macht neue Entdeckungen, lernt Menschen, sich selbst, Gottes Schöpfung und den Schöpfer, manchmal sogar neue innere und äußere Welten kennen. Er-fahrung bedeutet Bewegung, Verlassen des Gewohnten, neue Horizonte, neue Begegnungen... all das macht die Faszination des Pilgerns aus. Viele Menschen brachten solche persönlichen Erfahrungsberichte in Bewegung. Uns brachten diese berührenden Lebenszeugnisse auf Radpilgerwege. Radpilger und -pilgerinnen sind wir in Kaufering seit nunmehr 12 Jahren. Unsere Radpilgerwege führten uns nach Taizé, nach Assisi, nach Rom, nach Santiago de Compostela. Und die Begeisterung und Faszination wuchs, zuerst in der Kirchengemeinde, bald auch weit darüber hinaus. Denn zum Jubiläum der Reformation 2017 „erfanden“ wir den Luther-Radpilgerweg von Augsburg nach Wittenberg und verbanden auf diesem Weg alle wichtigen Lutherorte. Vor Kurzem lobte Spiegel Online in seinem Artikel „Ich bin dann mal weg mit dem Rad“ zwei Jahre nach dem Jubiläum unsere Arbeit. Ab 2015 erkundeten wir damals in Bayern, Thüringen, Sachsen und Sachsen- Anhalt eine weitgehend von Autoverkehr freie, naturnahe, 750 km lange Deutschland Radroute und machten diesen Weg in GPX Tracks abrufbar.[1] Im Jahr 2016 befuhren wir dann mit 28 Radpilgern diesen Weg. Dank der GPX Führung war es möglich, mit so einer großen Gruppe den Weg gefahrlos und entspannt zu fahren. Aufgeteilt in kleine Radgruppen durchquerten wir problemlos große Städte (Augsburg, Nürnberg, Bamberg, Erfurt, Halle). Ein Pilgerführer zum Ausdrucken und Karten machten diesen digital ausgeschilderten Pilgerweg kostenlos nutzbar für alle Interessenten. Bis heute wird diese Internet Seite erfreulich oft aufgerufen. Wer verantwortet dieses Radprojekt Seit drei Jahren erkunden und erschließen wir nun alle bayerischen Jakobuswege in gleicher Sorgfalt und Qualität. Reinhard Heckmann ist Tourenleiter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und GPS Experte[2] der ersten Stunde. Als Pilot der Lufthansa war er von Anfang an mit dieser Technik vertraut. Christian Reuting ist verantwortlich für die Internetseite www.radpilgern-bayern.de, in die ständig neue Jakobswege eingespeist und zur kostenlosen Nutzung freigegeben werden. Die Erkundungskosten trägt zum großen Teil die Abteilung „Kirche und Tourismus“ der Evangelisch- Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB). Mein Name ist Pfarrer Jürgen Nitz, ich bin Gemeindepfarrer in der Paulusgemeinde Kaufering und zertifizierter Pilgerbegleiter der ELKB und ADFC Tourguide. „Pilgern ist Laufen!“ – Zur Kritik am Radpilgern Seitdem wir unser Anliegen öffentlich gemacht haben, wird unser Projekt kritisch hinterfragt: „Pilgern ist Laufen, nicht Radfahren.“ – „Radpilger nehmen sich keine Zeit, sondern rasen über die Pilgerwege.“ – „Pilgererfahrungen und tiefe Begegnung gibt es nur im langsamen Lauftempo.“ – „Die Teilnahme am Verkehr lenkt zu sehr ab, so dass der Kopf nicht frei wird.“ – „Gibt es auf dem Rad spirituelle Erfahrungen?“ Ich möchte in den folgenden Zeilen diese Einwände aufnehmen, aber keine „Verteidigungsrede“ halten. Was begeistert uns an dieser besonderen Form des Pilgerns? Wenn wir aufbrechen, beginnen wir mit einem Segen, einem Pilgerpass und einer Muschel. Wir lassen uns in einem Gottesdienst, in einer eigenen Feier oder von einem lieben Menschen segnen und auf den Weg senden. Wir singen Lieder, aus Taizé oder aus anderen Quellen, denn wir haben eine kleine Travel Gitarre und Liedblätter dabei. Wir suchen jeden Tag Stille in einer „Kirche der Stille“. Das sind oft einsame, uralte, schlichte Kapellen oder Kirchen, die uns offen stehen. Wir spüren beim Erkunden der Strecken oft: „Das ist sie – die Kirche der Stille, der Ort der Stille der heutigen Etappe“. Im Verlauf eines Radpilgerweges werden diese Stille-Zeiten immer länger, wir lernen die Stille mehr und mehr schätzen. Die gleichmäßige Bewegung auf dem Rad hilft, den Kopf frei zu bekommen. Für mich beginnt der „Pilgermodus“, wenn die große Stille in meinem Kopf beginnt. Es fällt im Laufe eines Weges immer leichter, ohne Gedanken, ohne Sorgen, ohne „Kopfkino“, ohne Ablenkung in diese heilsame Stille einzutauchen. Der tägliche Aufbruch hilft, innere Ruhe zu finden. Die Topographie, die Wegbeschaffenheit, das Wetter und unser inneres Tempo bestimmen unser äußeres Tempo. Die Durchschnittsgeschwindigkeit unserer begleiteten Radpilgerweg-Gruppen liegt zwischen 10 bis 15 km/h. Damit wären alle Vorurteile über den rasenden Radpilger ausgeräumt. Wir haben es schon erlebt, dass wir parallel zu Fußpilgern nur 30 km gefahren sind, weil wir uns Zeit gelassen und die Stille, schöne Orte oder gemeinsame Mahlzeiten genossen haben. Ein täglicher, kurzer Impuls ist ein Angebot zum Nach-denken. Aber jede und jeder hat alle Freiheit, den eigenen Gedanken zu folgen. Im August 2019 fuhren wir mit einer Radpilgergruppe von Würzburg nach Konstanz, über das Maintal, Gäuland, Ellwanger Berge, Ostalb, Donautal, Oberschwaben an den Bodensee. Wir erlebten ein wunderschönes, einsames Süddeutschland, mit wenig touristischer Infrastruktur, scheinbar endlose Wälder und weite Blicke über die Landschaft. Gastfreundliche Menschen, uralte, schlichte Kirchen. Leitthema dieses Weges war „Weite – Stille – Kraft“. Hier gebe ich ein Beispiel für einen „Impuls des Tages“. Wir stehen dicht an der Mauer und wollen „mit dem Kopf durch die Wand“ – wir bemerken nicht, dass diese Mauer umgeben ist von weitem Raum, von vielen Wegen, vielen Möglichkeiten. Wenn wir Abstand nehmen zu dieser Mauer, bemerken wir erst, wie viel Platz und Varianten vor uns sind. Manchmal spüren wir, dass viele in Gedanken sind oder Zeit zum Denken brauchen. Dann kann es sehr hilfreich sein, in der Stille zu radeln. Wenn die Strecke absolut verkehrsfrei und für alle klar erkennbar verläuft (z.B. Bahnradwege auf ehemaligen Nebenbahnstrecken), dann fahren wir alleine und im Schweigen auf diesem Weg und folgen unseren Gedanken oder nehmen die schöne Natur ungestört und bewusst in uns auf. Natürlich feiern wir auch kleine Andachten und Gottesdienste, manchmal sogar ein Abendmahl. Da inzwischen einige Radpilgergruppen mit kirchenfernen Menschen fahren, wird keine feste Liturgie verwendet, sondern offene und freiere Formulierungen. Ein Radpilgerweg öffnet Räume, geistliche, spirituelle, achtsame, bewusste und unbewusste Welten. Wir lernen langsam die Sprache unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennen und immer haben sie die Freiheit, Impulse, Andachten, Stille oder Angebote nicht in Anspruch zu nehmen. Es entsteht eine ganz besondere Pilgergemeinschaft auf Zeit. Ein neuer Trend kommt uns entgegen, 800.000 elektrisch unterstützte Fahrräder wurden im Jahr 2018 verkauft. Der Boom hält an. Diese elektrische Unterstützung bringt auch solche Menschen auf Pilgerwege, die aus konditionellen oder gesundheitlichen Gründen keinen Pilgerweg angetreten wären. Dazu kommt eine für uns begeisternde Erfahrung. Die Gemeinschaft von jung und alt , fit und untrainiert, gesund und krank durchbricht die Regeln unseres Freizeitverhaltens. Fit verbringt Zeit mit fit, alt mit alt, jung mit jung... es ist berührend zu sehen, wie wir einander auf solch einem Radpilgerweg entdecken, schätzen und verstehen lernen. Das E-Bike verbindet so Menschen, die im Alltag ihre eigenen Wege mit ihresgleichen verbringen. Das bereichert unser Leben und unsere Sichtweise auf Entscheidungen. Krisen oder Lebensfragen bekommen wertvolle Impulse. Wenn ein begleiteter Weg zu Ende geht, ist fast immer auch Trauer zu spüren, dass diese bereichernde Gemeinschaft wieder auseinandergeht. Wir können chronisch kranke Menschen, in Bewegung eingeschränkte oder Menschen nach schweren gesundheitlichen Krisen auf unsere begleiteten Radpilgerwege mitnehmen. Uns fällt auf, dass sie durch ihre Anwesenheit viele Gedankenanstöße für die Gesunden geben können. Die gegenseitige Hilfsbereitschaft ist groß und die Empathie füreinander wächst mit jeder Herausforderung. Was unterscheidet einen Radpilgerweg von einer Radtour? Was unterscheidet einen Fuß-Pilgerweg von einer Mehrtageswanderung? Es ist die innere Einstellung zu meinem Weg. Die Grenzen sind natürlich fließend. Auch auf Jakobswegen wird gewandert. Oder der Jakobsweg wird „gemacht.“ Pilgern beginnt für mich in einer inneren Haltung der Offenheit und Achtsamkeit darauf, was uns, was mir dieser neue Tag schenkt. Ich erfahre eine Neu-Besinnung. Sinne wachen auf, riechen, spüren, hören, ahnen, erfassen und erfasst werden. Wie wenig sinnlich ist oft unser alltägliches Tun. Wir brauchen einen Kopf und eine Körper, der ihn ernährt. Wie viel mehr steckt in uns, das wir im Alltag nicht nutzen oder erleben? Sinne wachen auf, wir erleben uns als Teil dieser Erde oder unserer Schöpfung, spüren den Wind, den Regen, die Wärme, das Licht. – Ob ein Weg zu einer ganzheitlichen Erfahrung wird, können wir vorher nicht planen oder organisieren. Ein Pilgerweg wird so zu einem Geschenk, wie jeder neue Tag. Gehe ich mit so einer Offenheit, Dankbarkeit, erwartungsvoll und auf Überraschungen gefasst meinen Pilgerweg an, dann wird dieser Weg ein Pilgerweg werden. Das haben wir auf Radpilgerwegen oft erlebt. Pilgern ist für uns eine innere Haltung, eine Offenheit für neue Erfahrungen und wird nicht definiert von der Fortbewegungsart. Darauf weist auch jeder Pilgerpass hin, der Fußpilgern, Radpilgern und Pilgern zu Pferd gleichermaßen behandelt. E-Biker fallen damit unter die Kategorie „Pilgern zu Drahtesel“, denn diese „Tiere“ bekommen ja auch allabendlich ihr „Futter“ in Form einer Stromladung. Wenn zu Fuß auf Pilgerwegen über 30 km pro Tag gelaufen werden, entspricht das bei uns einer Radpilgeretappe von 100 km. Unsere Radpilgeretappen sind je nach Höhenprofil 35 – 60 km lang. Die Herausforderung, besonders die der Jakobswege, besteht nach meiner Erfahrung in den Höhenmetern und nicht in der zurückgelegten Wegstrecke. Wir fahren zwischen 300 – 1.000 Höhenmeter pro Tag. Das ist für Radpilgergruppen Herausforderung genug. Meiner Ansicht nach wechselt das Empfinden ob Rad-Tour oder ob Rad-Pilgern je nach Pilgertag und persönlicher Verfassung, wie es bei Fußpilgern auch sein kann. Waren nicht auch die ersten Touristen Pilger? Die Entdeckung der Stille wird von vielen Radpilgern*innen als eine der schönsten Erfahrungen geschildert – besonders die Radwegekirchen laden uns als „Inseln der Stille“ ein. Sie sind, im Gegensatz zu vielen inzwischen verschlossenen Kirchen, verlässlich offen. Auf dem Pilgerportal der Evangelischen Kirche in Bayern www.pilgern-bayern.de und www.radpilgerkirchen.de finden wir die Radwegekirchen übersichtlich veröffentlicht. Was übernehmen Radpilger vom klassischen Pilgern? • Pilger brechen jeden Tag neu auf, auch wenn das Wetter schlecht ist oder die Beine müde geworden sind. • Pilger machen sich auf: sie öffnen sich für die Schöpfung, für die Stille, für Gedanken, die hochkommen, für Begegnungen auf dem Weg, für Erfahrungen mit sich selbst, mit dem Nächsten, vielleicht auch mit Gott. • Pilgern ist Bewegung mit „Sinn“: es erwachen die Sinne, es wird still im Kopf, der Körper zeigt, wozu er fähig ist – so werden wir ganz mit Leib, Seele und Geist. • Pilger sind eingeladen, ihr Netzwerk zu verlassen, das „ich bin dann mal weg“ zu erfahren, das Handy daheim zu lassen und ganz bei sich zu sein. • Pilger auf dem Jakobsweg zeigen sich mit dem Zeichen der Muschel und einem Pilgerpass als Jakobspilger. • Pilger reduzieren ihr Gepäck auf das Wenige, was sie wirklich brauchen (Gepäck Gewicht maximal 10% des eigenen Gewichts. • Pilger auf dem Rad fahren in einem Pilgertempo, das Eindrücke, Erfahrungen und Ausblicke zulässt (in der Ebene ca. 15 km/h im Durchschnitt), sie warten aufeinander und genießen Ruhe- und Wartezeiten. • Pilger lassen sich auf Stille ein und lernen zur Ruhe zu kommen „Wie entsteht ein Radpilgerweg?“ Wer zu Fuß auf Jakobswegen unterwegs ist, macht sich bisweilen immer wieder Gedanken über den Wegverlauf. Wer hat festgelegt, dass mein Weg über diesen Berg gehen muss, wenn im Tal ein Fluss den Berg ohne Steigung umrundet? Offensichtlich wurden die Wegführungen nicht nur von historischen Traditionen und Wegen bestimmt, sondern auch von touristischen Absichten geleitet. Auf allen mittelalterlichen Fernrouten Europas waren Pilger und Pilgerinnen unterwegs. Heute sind viele dieser historischen Fernwege stark befahrene Straßen. Fußpilgerwege wurden daher gerne in schönen Landschaften ausgeschildert. Jakobuskirchen sind natürlich obligatorisch für einen solchen Weg und die begehrten Stempelstellen ebenso. Beim Erkunden der bayerischen Jakobus-Radpilgerwege versuchen wir darum, einen Kompromiss zwischen historischer Tradition, landschaftlicher Schönheit und Verkehrsfreiheit zu finden. Schritt I – Planung einer Planungsgrundlage am Computer Im Winter, außerhalb der Radsaison, planen wir mit dem professionellen Programm „Tour Explorer“ eine am Computer erzeugte „Schreibtischvariante“ des zukünftigen Jakobsradpilgerweges. Die GPX Dateien werden in ein Radnavigationsgerät geladen. Schritt II – Erkundung des „Rohtracks“ Beginnt wieder die Radsaison, fahren wir die geplante Route in der Natur. Sofort stellt sich heraus, wie gut diese Route zu befahren ist, wie viel Verkehr auf den Straßen behindert, wie die Beschaffenheit der Wege sind und ob eine Tauglichkeit für E-Bikes vorliegt. Da das Navigationsgerät die tatsächlich gefahrene Strecke im Hintergrund aufzeichnet, können wir zuhause den GPX Track korrigieren und diskutieren. Wir fahren bei der Erkundung mindestens zu zweit. Wenn eine Strecke sich überhaupt nicht als Pilgerradweg eignet, erkunden wir sofort neue Varianten und zeichnen sie auf. Schritt III – Aufzeichnung und Test der GPS-Führung Nach der Erkundung entsteht der endgültige Track. Dieser wird von uns oder einer außen stehenden Person im Praxistest erprobt: Werden rechtzeitig Abzweigungen auf dem Navigationsgerät angezeigt? Ist immer eine Verbindung zum Satelliten vorhanden? Hat sich der Track bewährt, wird er als Download freigegeben. Schritt IV – Einstellung der GPX-Track Dateien ins Internet und Pilgerführer Am Ende werden die GPX-Tracks auf Internetseiten veröffentlicht: „www.radpilgern-bayern.de“, Jakobusgesellschaft Augsburg und zukünftig auch in der ADFC Tour App. Ein Pilgerführer in pdf zum Ausdrucken gibt einen Überblick über den Jakobsweg und inspiriert zum Radpilgern. Schritt V – Angebot begleiteter Radpilgerwege Zweimal im Jahr bieten wir begleitete Radpilgerwege an – einen „Schnupper Radpilgerweg“ über vier bis fünf Nächte zum Kennenlernen und Erproben des Radpilgerns und einen „Großen Radpilgerweg“ mit neun bis elf Übernachtungen, der uns eine Auszeit schenkt. Ein Netzwerk entsteht In einem open-source-Portal (kostenlose Nutzung und Einbindung der Radpilgerwege) entsteht allmählich ein attraktives Angebot für Interessierte und Radbegeisterte. An erster Stelle sind die Beziehungen zum ADFC Landsberg am Lech und dem ADFC Bayern zu nennen (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club). Von der ersten Idee an unterstützte der ADFC- Kreisverband Landsberg die Radpilger-Idee. Einmal im Jahr bieten wir mit dem ADFC einen begleiteten Radpilgerweg im Jahresprogramm des ADFC an, der sehr geschätzt wird. Ein Mitglied des Bayern-Vorstands fuhr einen Tag auf einem Jakobus-Radpilgerweg mit und war sehr berührt von dieser besonderen Art der Tour. Er überbrachte die gute Nachricht, dass der ADFC- Vorstand Bayern beschlossen hat, eng mit uns zusammen zu arbeiten. ADFC-Tourenleiter mit Ortskenntnis helfen uns, effektivere Ersterkundungen von Radpilgerwegen zu übernehmen. Tourismusverbände nehmen mehr und mehr unsere Arbeit wahr, der Tourismus Rhön Verband hat die Erkundung Fulda – Bad Kissingen bestellt und die Kosten der Erkundung übernommen. Wir sind in engem Kontakt mit den Landkreisen südlich von Nürnberg, damit die Jakobus-Radpilgerwege ins jeweilige Radwegekonzept eingebunden werden. Der Zugriff auf die Seite www.radpilgern-bayern.de entwickelt sich sehr erfreulich. Eine weitere Perspektive für unser Projekt zeichnet sich am Horizont ab – die reale, nicht nur virtuelle Ausschilderung von Radpilgerwegen. Zukunftsvision Jakobus Radpilgerwege real ausgeschildert im „Radnetz für Bayern“ Bisher sind die Radpilgerwege digital durch GPX-Tracks markiert. Die Nutzung von Tracks in der Navigation nimmt stetig zu, doch die Masse der Radler und Radlerinnen fährt immer noch analog mit Karte oder orientiert sich an der Radwegebeschilderung. Eine neue Aufgabe für uns ist die Kontaktaufnahme mit staatlichen Behörden, die ein Radkonzept planen, damit unsere Radpilgerwege überhaupt eine Chance auf reale Ausschilderung bekommen. Dies wäre ein öffentlicher Impuls, der das Pilgern auf Jakobuswegen insgesamt neue Anreize geben könnte. Die Nachfrage nach Themenrouten ist in manchen Tourismusverbänden sehr groß. Wir besprechen, wenn möglich, mit den Verantwortlichen vor Ort unsere Tracks, damit sie grundsätzlich ausschilderungsfähig wären. Die mediale Aufmerksamkeit, wenn Radpilgerwege „eingeweiht“ werden, verbunden mit kirchlicher Beteiligung vor Ort, wäre ein starker Anreiz, über Auszeiten auf Pilgerwegen nachzudenken. Alles in allem verknüpft Radpilgern kirchliche und nicht-kirchliche Organisationen in einer für beide Seiten Gewinn bringenden Weise. Wir freuen uns sehr, dass das jahrelange Sammeln von Erfahrung auf Radpilgerwegen nun für viele Menschen zum Segen wird. In der in unserer Gesellschaft notwendigen Mobilitätswende ist das Fahrrad und das E-Bike ein entscheidender Faktor. Die CO2-Bilanz eines Radpilgerweges dürfte vorbildlich ausfallen. „Ultreia!“ Immer weiter! Das ist der Ruf der Jakobuspilger und Pilgerinnen. Unsere Freude an und mit diesem Projekt lässt uns voller Spannung auf seine Zukunft blicken. Jürgen Nitz, Christian Reuting, Reinhard Heckmann [1] www.ebw-weilheim.de/radpilgerweg. GPX (GPS Exchange Format) bezeichnet ein Datenformat zur Speicherung von Geodaten (unter anderen GPS-Daten). [2] GPS (= Global Positioning System) ist ein satellitengestütztes System zur weltweiten Positionsbestimmung und wird von uns für die Streckenfindung und -festlegung auf digitalen Karten verwendet.

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